Dienstag, 4. März 2014

Karneval in Oruro


Oruro liegt im Altiplano und ist eine der ältesten Städte Boliviens. Zur Kolonialzeit war die Stadt reich durch die großen Vorkommen an Edelmetallen. Heute ist von dem alten Glanz nicht mehr viel übrig und die Stadt ist eigentlich eher ruhig. Doch einmal im Jahr, zu Karneval, ist hier der Teufel los. Zwei Tage lang, Samstag und Sonntag, ziehen Gruppen aus ganz Bolivien in Trachten durch die Straßen. Zigtausende Zuschauer aus aller Welt reisen an, um die traditionellen Tänze und Kostüme zu bewundern.


Ich selbst habe zwar für die Hin- und Rückfahrt insgesamt länger gebraucht als ich dann tatsächlich Zeit in Oruro verbracht habe, weil auf den Straßen sehr viel Verkehr war, aber es hat sich trotzdem gelohnt. Die Farbenpracht der Trachten ist wunderschön und der Umzug erscheint endlos. Den ganzen Tag und fast die ganze Nacht ziehen die Tänzer durch die Straßen und werden dabei von begeisterten Zuschauern angefeuert.





Leider war dieses Jahr die Freude am Karneval etwas von einem sehr traurigen Ereignis überschattet. Am Samstag, noch bevor wir mit unserem Bus in Oruro angekommen sind, ist eine der Tribünen, auf denen die Zuschauer sitzen, eingestürzt. Dabei gab es leider vier Tote und 60 verletzte Personen. Deshalb wurde am Samstagabend auch kaum getanzt, sondern traurige Musik gespielt und der Verunglückten gedacht.

Sonntag, 16. Februar 2014

Überschwemmungen im Beni



In der letzten Zeit hat es hier ziemlich viel und ziemlich stark geregnet. Dadurch sind die Flüsse hier im Amazonasbecken weit über ihre Ufer gestiegen und haben große Flächen überschwemmt. Überschwemmungen gibt es zwar jedes Jahr in der Regenzeit, doch dieses Jahr ist es so schlimm, dass die Regierung sogar überlegt, den Kathastrophenstand für das Departamento auszurufen. Die Stadt Trinidad selbst ist zum Glück kaum betroffen, weil es einen Damm gibt, der das Wasser abhält. Aber kaum verlässt man die Stadt, steht alles unter Wasser. Viele Menschen mussten ihre Häuser verlassen, haben ihre gesamte Ernte verloren und leben jetzt in Notunterkünften.

 
 
Eine aus Brettern und Planen notdürftig gezimmerte Hütte; selbst diese liegen nur wenige Zentimeter über dem Wasserpegel, falls es noch mehr regnen sollte, werden wohl auch diese überschwemmt. Diese Unterkünfte errichten die Menschen am Rand der großen Straße, die auf einem Wall gebaut wurde und deshalb nicht überschwemmt ist. Links und rechts davon ist jedoch alles überschwemmt. Das bedeutet einen ziemlichen Platzmangel, denn zwischen den Hütten laufen auch noch die Tiere herum, die von den Weiden gerettet wurden. Vielen Familien, die dort leben, fehlt es jetzt an allem. Der Staat und auch viele andere Organisationen arbeiten jetzt daran, eine Versorgung mit Lebensmitteln, Trinkwasser und Medikamenten aufzubauen. Denn durch das Hochwasser kommen auch viele Krankheiten, wie zum Beispiel Dengue-Fieber. Außerdem ist durch die schlechte Situation der Alkoholkonsum vieler Männer stark gestiegen und zu den Problemen durch das Wasser kommen jetzt noch soziale Probleme.

 

Ein vom nun reißenden Fluss mitgerissener Kleinlaster

Sonntag, 12. Januar 2014

Ein frohes neues Jahr 2014!



Nachdem ich jetzt schon eine Weile nicht mehr geschrieben habe, kommt jetzt mal wieder ein neuer Blockeintrag ; )
Silvester war eigentlich eher unspektakulär. Es gab zwar eine große Feier, bei der wie immer viel getanzt wurde, aber es gab kaum Feuerwerk, auf jeden Fall viel weniger als an Weihnachten.
Im Kinderheim war die letzte Zeit etwas chaotisch, weil ein paar neue Kinder gekommen sind und in den letzten Wochen drei Mädchen versucht haben wegzulaufen. Das Problem im Heim ist, dass so viele Kinder da sind und um den Überblick behalten zu können, darf keiner alleine das Gelände verlassen. Das stört vor allem die Judenglichen, wenn sie etwas älter werden und selbstständig Dinge unternehmen wollen. Sie fühlen sich dann eingesperrt und wollen nicht mehr im Heim leben. Was sie dabei leider nicht bedenken ist, dass sie keine Unterkunft mehr haben, wenn sie weglaufen. Zum Glück passiert das aber normalerweise nicht allzu oft und wenn, kommen die Mädchen meistens schnell wieder zurück.
Dieses Wochenende habe ich zum ersten Mal einen Ausflug in die Umgebung von Trinidad gemacht. Ich war in zwei kleinen Dörfern, Porto Suarez und Porte Ballevían, die beide an einem sehr schönen Fluss liegen. Dort bin ich sogar ein Stück mit einem Boot den Fluss hoch und runter gefahren. Die Natur dort ist wirklich wunderschön! In echt auch noch viel schöner als auf den Fotos ; ) Leider wird die Natur hier meistens nicht gut behandelt. Die Menschen werfen ihren Müll achtlos auf den Boden und in den Fluss, ohne die Folgen für die Pflanzen und Tiere zu bedenken. Erst jetzt kommen langsam einzelne Projekte auf, die sich um den Umweltschutz bemühen, um den Erhalt des Regenwaldes und den Schutz der Flüsse, die übrigens unter anderem Lebensraum der seltenen rosafarbenen Flussdelfine sind.
Der Fluss vom Boot aus


Dieses Schiff dient der medizinischen Versorgung. Viele Orte hier im Amazonasbecken sind zur Regenzeit nicht auf dem Landweg erreichbar und so fahren Ärzte und Krankenschwestern mit solchen Schiffen von Dezember bis März über die Flüsse in die Dörfer.

Sonntag, 29. Dezember 2013

Weihnachten und mein Urlaub in der Chiquitania

Weihnachten war für mich ziemlich komisch in Bolivien. Zum einen ist es hier viel zu warm und zum anderen gibt es auch nicht wie bei uns so eine Adventszeit vorher. So war ich nicht wirklich in Weihnachtsstimmung und es ist eher wie irgendein Tag an mir vorbei gezogen. Trotzdem war es ein schöner Tag.
An heilig Abend war ich bei der Familie meiner Chefin eingeladen. Es gab eine Weihnachtsganz und zum Nachtisch eine sehr süße Torte. Dann wurde mit Sekt auf Weihnachten angestoßen und die Geschenke verteilt. Um Mitternacht wird hier in Bolivien die Geburt des Christkinds mit einem rießigen Feuerwerk gefeiert, das angeblich größer ist als das an Silvester.



Plastikweihnachtsbaum mit Blinkelichterketten, ganz typisch bolivianisch

Nach Weihnachten bin ich dann zusammen mit einem Pfarrer aus der Diözese Würzburg, der aber seit 20 Jahren in Bolivien lebt und zwei anderen Freiwilligen in den Urlaub gefahren. Wir haben die Chiquitania, einen Landstrich in der Nähe von Santa Cruz besichtigt. Dort gibt es sehr schöne Barockkirchen, die fast alle aus Holz gebaut sind. Diese sind von Jesuiten gebaut worden, die dort vor etwa 300 Jahren Missionen gegründet haben. Mitten im Urwald haben sie Dörfer gegründet und den einheimischen Chiquitanos Ackerbau, Viehzucht, Handwerk und ihre Musik beigebracht. Weil es nach der damaligen Überzeugung das einzig richtige war, haben die Jesuiten sie natürlich auch zum christlichen Glauben bekehrt. Als die Jesuiten jedoch einen unabhängigen Staat aufbauen wollten, um die Chiquitanos vor der Sklaverei zu bewahren, wurden die Jesuiten aus Bolivien vertrieben, denn die Region war Teil der spanischen Kolonien. Trotzdem ist einiges aus dieser Zeit erhalten geblieben. Die Chiquitanos sind noch heute Christen und haben immer noch Orchester, die Barockmusik spielen. Im 20. Jahrhundert wurden die teilweise schon ziemlich verfallenen Kirchen dann auch wieder restauriert.


Kirche in San Javier


Bild aus dem Kreuzweg in Concepcion; der Kreuzweg aus den 80ern beschäftigt sich mit allen großen aktuellen sozialen und ökologischen Problemen Boliviens; hier z.B. die Zerstörung der Natur durch die Abholzung des Regenwaldes, die wir dann später auch noch mit eigenen Augen gesehen haben. Weite Flächen sind nur noch mit Gras bewachsen und es gibt abgebrannte tote Baumstämme, als Flächen für Ackerbau und Viehzucht




Samstag, 14. Dezember 2013

Trinidad und die erste Zeit im Projekt



Trinidad ist die Hauptstadt eines ziemlich großen Departamentos in Bolivien, dem Beni. Es leben hier knapp 100.000 Menschen, doch es wirkt ziemlich ländlich. Die Stadt, die von Regenwald umgeben ist, ist sehr grün und immer wieder sieht man Tiere, wie zum Beispiel Pferde und Hühner frei herumlaufen und auf den Straßen grasen. Natürlich ist es hier genauso warm wie in Santa Cruz, allerdings regnet es mehr und das feuchte Wetter macht es noch schwüler. Wie alle Städte in Bolivien, hat auch Trinidad ein relativ kleines Zentrum, die Plaza Principal, an der auch die Kathedrale steht mit einem nahe gelegenen Markt.

 
Traditionelle Tänze auf der Plaza PRincipal vor der Kathedrale

Mein Projekt ist ein Kinderheim, das sich nahe dem Stadtzentrum befindet. Dort leben Mädchen und Jungen bis 10 Jahren und Mädchen bis sie 18 werden. Im Umgang mit den Kindern muss man manchmal echt vorsichtig sein, denn sie alle haben schwere Erlebnisse hinter sich, bevor sie ins Heim gekommen sind. Einige sind Weise, aber einige wurden auch von ihren Eltern verlassen oder es gab in den Familien Probleme mit Alkohol und Gewalt. Insgesamt sind die Kinder trotzdem alle sehr fröhlich und die Arbeit macht mir viel Spaß, auch wenn es immer sehr anstrengend ist. Da sie zur Zeit Sommerferien haben (in Bolivien dauern diese den ganzen Dezember und Januar) haben sie den ganzen Tag Zeit und müssen beschäftigt werden. Ich spiele mit den Kindern und bastele zum Beispiel Sterne und Karten für Weihnachten oder wir üben lesen.


 Kinder beim Häkeln mit Plastiktüten; dabei sollten sie lernen, dass sich aus Müll auch noch schönes machen lässt